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Objektifiziert…

Mittwoch, 1. Juli 2009, 23:45 Uhr von Jan · Kein Kommentar · Hüllenlos

Im Saal 1200, dem Audimax der TU München, herrscht ein reges Treiben an diesem Sommerabend. Ein gewisser Herr Hustwit hat zur Deutschlandpremiere seines neuen Films “Objectified” gerufen. Der Aufruf kam leider last second und so sind 90% des Publikums Studenten der Fakultät Produkdesign, die so oder so vor Ort waren. Und da eh TU-Sommerfest ist, krallt man sich eben ein Augustiner, solange es draussen noch hell und das Fest noch leer ist und zieht sich nen Film rein.

Auf die Frage, warum man denn jetzt eigentlich hier sei, gibt es eine Bank hinter mir prompt nach hinsetzen und Flasche öffnen einen ersten Abriss über die Erwartungen und das Vorwissen: “Ja da gehts um Design, Produktgestaltung und geile Scheisse machen halt.” Schon mal informativ. Und weiter “Wie kommt man eigentlich auf die Idee so nen Film zu machen… Ich meine, lebt der davon?! 10 Euro Eintritt und die Hälfte ist eh umsonst rein. Bin echt mal gespannt, was das jetzt wird. Shit… Das Bier ist ja warm, Oida!” Kurz nach Beginn des Films verwandelt eine Fräse das Logo von “Objectified” in ein Kunststoffrelief. Ab hier ist auch die Reihe hinter mir Fan, honoriert das Geschehen sogar mit eine “Fuck, GEIL Mann…” und ist von da an ganz Aug´ und Ohr.

Der Film startet spannend, bleibt unterhaltend, hat hinten raus seine Längen, ist alles in allem aber recht gelungen. Die großen Namen hat er gekriegt, es sind verschiedene Schmunzler gestreut und alle reden eigentlich das Gleiche, aber doch nicht. Als aus den heiligen Hallen von Apple berichtet wird ist der Audimax inklusive Professor plötzlich andächtig still, über Dieter Rams wird sich dafür im Anschluss lustig gemacht. Irgendwie vermisse ich die Kontroverse, die es bei “Helvetica” gab…

Beim Erstlingswerk von Hustwit ging es um eine Schrift, die als eigenschaftslos und in Ihrer Form als schwer gelungen gilt. Der eine Designer hochlobt und preist sie als die einzig wahre Schrift, der nächste Designer findet das unglaublich langweilig und würde das schweizer Kindl niemals verwenden. Der Regisseur nimmt allerdings die Position der Schrift ein und bleibt eigenschafts- und parteilos. So gelingt es ihm, wirklich eine Dokumentation zu drehen und eine Diskussion zu beleuchten, die kein Ergebnis haben kann, denn keiner kann objektiv entscheiden, was gute Gestaltung ist. Hustwit schafft es, auf ein Thema aufmerksam zu machen, dass im Allgemeinen völlig vernachlässigt, dafür aber als selbstverständlich betrachtet wird. Woher kommen eigentlich die ganzen Schriften auf meinem Computer?! Und das wunderbar am Beispiel Helvetica, “die Schrift der Schriften” erzählt.

Objectified ist gut gemacht, gut produziert und nett anzuschauen. Der Ansatz war wohl ähnlich zu Helvetica, nämlich die Leute zum Nachdenken über Design anzuregen. Generell mal eine gute Sache. Aber meiner Meinung nach fehlt dem Film der Antrieb. Die Protagonisten erzählen leidenschaftlich über ihre Profession. Beim Macher merkt man allerdings, was er bei jeder Gelegenheit betont - Er ist kein Designer. Kein Getriebener.

Er erzählt am Beispiel von, naja, allem was uns halt so umgibt. Es wird erzählt von dem, der halt grad zur Verfügung stand. Ein zweites Mal wird eben nicht nach Japan geflogen, dann ist der Herr dann halt nicht im Film. So zumindest die Antwort des Kreateurs auf die Frage, wie er die Auswahl der porträtierten Designer im Film vornimmt. Woher seine Inspiration stammt, wusste der Regisseur auf die Publikumsfrage im Anschluss auch nicht wirklich zu antworten und so bleibt die Frage, warum das Bier denn jetzt warm war und wie man eigentlich auf die Idee kommt so einen Film zu machen…

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